Schwarz ist keine Phase, sondern ein Zuhause
Erinnerst du dich noch an den Geruch von Haarspray in der Luft und den ersten, viel zu dicken Strich mit dem Kajal? An das Gefühl, als die erste Netzstrumpfhose die Welt ein bisschen weniger grau machte? Für viele von uns war der Einstieg in die Dark-Wave- oder Gothic-Szene weit mehr als nur eine modische Entscheidung. Es war das Gefühl, endlich bei sich selbst anzukommen.
Doch das Leben verläuft selten in einer geraden Linie. Wenn wir die 35, 45 oder 55 überschreiten, kommen von außen oft die leisen (oder lauten) Fragen: „Wann wirst du eigentlich erwachsen?“ oder „Ist das nicht langsam mal gut mit dem Schwarz?“
Der Versuch, „kompatibel“ zu sein
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft es sein kann, wenn man versucht, diese Fragen mit Anpassung zu beantworten. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Ich hatte einen Partner an meiner Seite, der mit der düsteren Ästhetik, der Musik und der gesamten Szene absolut nichts anfangen konnte.
Dummerweise habe ich damals den Fehler gemacht, mich immer mehr zurückzuziehen. Ich wollte niemanden vor den Kopf stoßen, wollte „funktionieren“. Die Bandshirts wanderten ganz nach hinten in den Schrank, die Musik wurde leiser und mein Äußeres unauffälliger. Aber tief im Inneren blieb eine Leere. Ich habe gelernt: Man kann einen Teil seiner Seele vielleicht für eine Weile verstecken, aber man kann ihn nicht löschen.
Das Aufatmen: Ein echtes Heimkommen
Ich werde nie den Moment vergessen, als ich nach dieser Zeit zum ersten Mal wieder einen schwarzen Club betrat. Der vertraute Geruch von Nebelmaschine, das gedimmte Licht und die ersten Takte eines Post-Punk-Klassikers. In diesem Augenblick fiel alles Schwere von mir ab. Es hat sich angefühlt wie das erste tiefe Durchatmen nach einem viel zu langen Atemzug.
In dieser Nacht wurde mir klar: Ich gehöre hierher. Egal, wie lange ich weg war oder was andere darüber denken. Heute bin ich unendlich dankbar, dass ich dieses Lebensgefühl nicht mehr verstecken muss. Seit über 20 Jahren habe ich nun einen Partner an meiner Seite, der meine Leidenschaft teilt. Wir müssen uns nicht gegenseitig erklären – wir verstehen die Melancholie und die Schönheit in der Dunkelheit einfach.
Authentizität als kreativer Treibstoff
Diese Rückkehr zu mir selbst war auch der Grundstein für das, was ich heute mache. In meinen Designs für Makelanie verarbeite ich genau diese Liebe zur dunklen Seite der 80er. Wenn ich heute Dinge gestalte, fließen all diese Gefühle von Freiheit, Zugehörigkeit und ein Stück meiner eigenen Geschichte in jedes Produkt ein.
Unsere Community ist kein Jugendclub mit Verfallsdatum. Frauen in unserer Altersgruppe finden hier einen Raum, der jenseits von gesellschaftlichen Normen funktioniert. Auf der Tanzfläche werden Falten im Schwarzlicht unsichtbar – dort zählt nur die Atmosphäre.
Fazit: Wir werden nicht leiser, wir werden echter
Älterwerden in der Szene bedeutet nicht, dass die Farben verblassen. Im Gegenteil: Das Schwarz wird tiefer und die Überzeugung fester. Wir besetzen den Raum, den wir brauchen – egal, in welchem Jahrzehnt wir geboren sind. Unsere Identität ist ein Teil von uns, der uns Kraft gibt und uns untereinander verbindet.
Wie ist das bei dir? Gab es bei dir auch Momente, in denen du dich angepasst hast, oder bist du der schwarzen Szene immer treu geblieben? Lasst uns auf Instagram darüber diskutieren.