Kennt die junge Goth-Generation noch Bauhaus? Eine ehrliche Antwort
Sie kennt Bauhaus nicht. Sie kennt Joy Division nicht. Sie weiß nicht, wer Ian Curtis war. Vom Zillo Festival hat sie noch nie gehört.
Und trotzdem nennt sie sich Goth.
Für viele in der Gothic Szene ist das ein Reizthema. Ich hab die Kommentare schon im Kopf, bevor ich sie lese: "Das ist doch keine echte Szene mehr." "Nur Ästhetik, keine Substanz." Ich kenn diese Gedanken, ich hatte sie selbst schon.
Aber lasst uns mal ehrlich sein: Der Generationenkonflikt in der Gothic Szene ist nicht neu, und er ist auch nicht so einfach, wie er auf den ersten Blick wirkt.
Woher kamen wir denn eigentlich?
Die Gothic Subkultur ist nicht mit Regelwerk und Aufnahmeprüfung entstanden. Sie kam aus Bands, die unsere Eltern nicht kannten. Aus Post-Punk und Dark Wave, der im Radio nicht lief. Aus Klamotten, für die man uns schräg angeschaut hat. Aus dem Gefühl, nirgendwo reinzupassen, und uns trotzdem irgendwo reinzufinden.
Wir waren auch mal die Neuen. Wir haben auch mal mit Bela Lugosi's Dead und schwarzer Kleidung angefangen, ohne die komplette Diskografie von Bauhaus, Siouxsie and the Banshees oder Fields of the Nephilim im Kopf zu haben. Das kam später, Stück für Stück, über Jahre. Wer sich heute mit einem Batcave-Shirt in die Szene stellt, macht im Grunde genau das, was wir vor Jahrzehnten auch gemacht haben: Zugehörigkeit sichtbar machen, bevor man die ganze Geschichte kennt.
Gothic Szene und Generationenkonflikt: Der Unterschied ist nicht die Haltung, sondern der Zugang
Die junge Generation entdeckt Dark Wave, EBM und gotische Ästhetik heute über TikTok und Instagram statt über Flyer, Tauschkassetten und das Zillo Magazin. Der Zugang hat sich verändert, klar. Aber heißt anderer Zugang automatisch weniger Substanz?
Ich glaube: nein. Ich glaube, viele von ihnen werden in fünf oder zehn Jahren genau da stehen, wo wir heute stehen. Mit Plattensammlung, mit Festival-Erfahrung, mit eigener Geschichte in der Gothic Szene. Nur der Startpunkt war ein anderer.
Muss man die Geschichte kennen, um dazuzugehören?
Muss man das Zillo Festival noch live erlebt haben, um dazuzugehören? Muss man Ian Curtis' komplette Biografie kennen? Oder reicht es, sich einfach zugehörig zu fühlen, und den Rest mit der Zeit zu entdecken?
Ich hab dazu keine endgültige Antwort. Aber ich finde, die Diskussion über den Generationenkonflikt in der Gothic Szene lohnt sich, gerade weil beide Seiten etwas Wichtiges sagen: Die einen wollen Geschichte und Substanz bewahren. Die anderen wollen einfach dazugehören dürfen, ohne Aufnahmeprüfung.
Was denkst du? Schreib's mir in die Kommentare bei Instagram. Ich bin gespannt, wer hier mit mir streitet.
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